Im Juli bin ich bei sehr stabilem und warmem Wetter nach langer Zeit wieder einmal über den Nordanstieg auf den Grimming gegangen.
Da auch die Route auf der Nordseite technisch anspruchsvoll ist und sowohl die Hitze als auch die Steinschlaggefahr nicht zu unterschätzen sind, sollte man bereits sehr früh aufbrechen.
Manche empfehlen im Sommer eine Startzeit von 5 Uhr oder sogar früher. Das hängt jedoch auch stark vom individuellen Geh- und Klettertempo ab. Ich selbst startete gegen 6 Uhr.
Zudem muss man mit steilen Wegen, Klettersteigpassagen bis zum Schwierigkeitsgrad A/B und einigen Kletterstellen im I. Schwierigkeitsgrad zurechtkommen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind ebenfalls unerlässlich.
Tipp: Einen guten Hinweis auf die aktuellen Verhältnisse liefert manchmal Facebook. Über die Suchfunktion kann man nützliche Beiträge von Wanderern, die eventuell bereits kürzlich auf dem Gipfel waren und Fotos veröffentlicht haben finden.
- Technik, Kondition
- Parkplatz — Start der Tour
- Aufstieg durch den Stribinggraben (GPX-Track zur Tour)
- A/B-Klettersteig beim Lärchkogel
- Schartenkar
- Leichte Kletterei (UIAA I) zum Toni Adam Dr. Obersteiner-Biwak
- Toni-Adam-Dr.-Obersteiner-Biwak – letzter Abschnitt
- Am Gipfel des Grimmings
- Abstieg und Rückweg
- Sonnenexposition
Technik und Kondition
Die Tour wird offiziell als „schwer“ eingestuft und führt zunächst auf T2-Niveau durch den Wald und den Stribinggraben.
Anschließend geht es über einen leichten A/B-Klettersteig hinauf zum Schartenkar und dann auf T3-Niveau durch das Kar.
Nach dem Schartenkar geht es direkt in den Fels und steil über zahlreiche Kletterpassagen im I. Schwierigkeitsgrad – möglicherweise sogar einzelne Stellen bis I+ – sowie dazwischen immer wieder durch Gelände auf T4- und T5-Niveau hinauf zum Toni-Adam-Dr.-Obersteiner-Biwak.
Im letzten Abschnitt geht es dann wieder gemütlicher auf T2-Niveau bis zum Gipfelkreuz. Vor allem bei den A/B- und Ier-Passagen muss man sehr fokussiert und vorsichtig sein – hier können kleine Fehler große Konsequenzen nach sich ziehen. Durch die Steinschlaggefahr sollte man auch einen Helm tragen.
Obwohl die Strecke insgesamt (rauf und wieder runter) mit etwa 9,5 km relativ kurz ist, müssen doch etwa 1.370 Meter größtenteils in ausgesetzten Bereichen bewältigt werden. Für den Aufstieg benötigte ich bei sehr zügigem Tempo ungefähr 2,5 Stunden.
Der Abstieg über denselben Weg dauerte bei zügigem Tempo ebenfalls etwa 2,20 Stunden, da dieser wegen der durchgehenden Steilheit fast herausfordernder als der Aufstieg ist. Meine reine Gehzeit lag damit bei etwa 4 Stunden und 50 Minuten.
Als durchschnittliche Gesamtgehzeit im normalen Tempo sollte man insgesamt jedoch ungefähr 7,5 bis 8 Stunden einplanen.
Parkplatz — Start der Tour
Ausgangspunkt der Tour ist der Ort Kulm hinter dem Kulmkogel und der Skiflugschanze Kulm. Dort stehen auch zahlreiche kostenlose Parkplätze für Wanderer zur Verfügung (Stand Juli 2026).
Aufstieg durch den Stribinggraben (GPX-Track zur Tour)

Die Tour beginnt direkt am Parkplatz. Zunächst geht der Weg Nr. 683 durch den Wald und den Stribinggraben eine Weile auf T1- und T2-Niveau relativ unspektakulär bergauf.
Nach etwa 1,5 km und 300 überwundenen Höhenmetern verlässt man den Wald. Auf einem sehr schottrigen und steinigen Weg geht es auf T2-Niveau weiter in Richtung Lärchkogel.
Wegen der erhöhten Steinschlaggefahr sollte man spätestens hier den Helm aufsetzen.
A/B-Klettersteig beim Lärchkogel
Nach einem längeren Anstieg durch relativ steiles Gelände erreicht man im Bereich des Lärchkogels die ersten Schlüsselstellen: einen Klettersteig im Schwierigkeitsgrad A/B, der ins Schartenkar führt.
Ich würde die Schwierigkeit eher mit B einstufen, da der Steig doch einige seilversicherte und ausgesetzte Passagen aufweist.
Diesen Abschnitt kann man gut mit einzelnen Passagen des Naturfreundesteigs am Traunstein vergleichen.
Weitgehend mit Seilen versichert, aber dennoch mäßig anspruchsvoll – eher B als A. Wer sich unsicher fühlt, kann hier zur Sicherheit ein Klettersteigset verwenden.
Schartenkar
Nach dem doch anspruchsvollen Steig, erreicht man nach einiger Zeit das Schartenkar und bekommt als Belohnung sofort ein gewaltiges Panorama präsentiert.

Der nächste Abschnitt ist weniger anspruchsvoll, dafür aber sehr steil und schottrig. Der Weg auf T3-Niveau führt durch einen Großteil des Schartenkars.

Leichte Kletterei (UIAA I) zum Toni Adam Dr. Obersteiner-Biwak
Es folgt ein längerer, steiler und felsdurchsetzter Abschnitt mit vielen leichten, überwiegend ungesicherten Kletterpassagen im I. UIAA-Schwierigkeitsgrad (T4).
Einige Stellen würde ich sogar mit I+ bewerten.
Bei der Orientierung ist hier besondere Vorsicht geboten. Man sollte sich strikt an die Markierungen halten, denn der Weg führt durch sehr ausgesetztes Gelände.
Da er auch häufig die Richtung wechselt und nicht durchgehend bergauf verläuft, kann man leicht eine wichtige Markierung übersehen.
Man sollte aufmerksam bleiben und im Zweifelsfall unbedingt ein paar Meter zurück absteigen, um die Route erneut zu überprüfen.

Im oberen Abschnitt geht es nochmals teilweise seilversichert etwas steiler bergauf, dann hat man den schwierigen Teil des Aufstiegs gemeistert.

Toni-Adam-Dr.-Obersteiner-Biwak – letzter Abschnitt
Nun geht es auf einer Art Hochebene am Toni-Adam-Dr.-Obersteiner-Biwak vorbei und auf einem einfachen T2-Weg Richtung Gipfelkreuz und Tagesziel.
Das Toni-Adam-Dr.-Obersteiner-Biwak und ein traumhaftes Panorama Richtung Westen – weiter hinten sieht man den Loser, Sandling, Ausseer Zinken und den Hohen Sarstein.
Am Gipfel des Grimmings
Hat man auch den letzten kurzen T2-Aufstieg gemeistert, erreicht man relativ rasch den Gipfel des Grimmings.
Nun heißt es – ins Gipfelbuch eintragen (das auf diesem Gipfel Stand Juli 2026 vorhanden war), jausnen und bei guter Sicht weitere phänomenale Ausblicke genießen.
Abstieg und Rückweg
Abgestiegen bin ich über denselben Weg, über den ich zuvor aufgestiegen war.
ACHTUNG! Vor allem beim Abstieg muss man beim Grimming auf Grund der Steilheit und vielen ausgesetzten, rutschigen, felsigen und seilversicherten Passagen sehr vorsichtig sein.
Außerdem ist auch das Thema Orientierung bergab wieder ein wichtiges Thema – in Ruhe und fokussiert von Markierung zu Markierung wieder nach unten durcharbeiten.
Sonnenexposition
Der Nordanstieg ist vor allem in den frühen Morgenstunden und am Vormittag angenehm schattig. Bis zum Toni-Adam-Dr.-Obersteiner-Biwak ist man überwiegend vor der Sonne geschützt.
Erst auf den letzten Metern zum Gipfel wird man ihr stärker ausgesetzt; dort ist das aber meist nicht mehr besonders unangenehm. Wie lange man im Schatten bleibt, hängt natürlich von der Startzeit und der Jahreszeit ab.
Bei großer Hitze oder im Sommer würde ich trotzdem einen sehr frühen Start empfehlen – auch wegen der Steinschlaggefahr durch Wanderer, die bereits wieder absteigen.
Bist du bereits über den Nordanstieg auf den Grimming gewandert oder kennst du eine interessante alternative Route? Dann teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren.
Auch Hinweise zur aktuellen Wegbeschaffenheit sind jederzeit willkommen.
⚠ Achtung: Die beschriebene Tour beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen zum Zeitpunkt der Begehung. Bedingungen, Wegverhältnisse und Markierungen können sich jederzeit ändern. Auch der bereitgestellte GPX-Track dient lediglich zur Orientierung.
Die Tour sollte daher nur unternommen werden, wenn die eigenen technischen und konditionellen Fähigkeiten dafür ausreichen. Die Einschätzung der aktuellen Verhältnisse sowie die Entscheidung zur Begehung liegen in der eigenen Verantwortung. Selbstüberschätzung kann im alpinen Gelände schnell gefährlich werden.






















