Anfang September entschloss ich mich relativ spontan zu einer Tour auf die Hochwildstelle südlich des steirischen Bodensees in den Schladminger Tauern.
Mit 2.747 Metern ist sie der höchste Berg, der vollständig auf steirischem Landesgebiet liegt.
Da die Wetterdienste für die darauffolgenden Tage einen Kälteeinbruch angekündigt hatten, war es an der Zeit, diese Tour noch im heurigen Jahr zu unternehmen.
Die Tour zählt für mich zu den schönsten und abwechslungsreichsten überhaupt.
Sie führt an drei eindrucksvollen Bergseen und mehreren Wasserfällen vorbei, über den Robert-Höfer-Steig zur Neualmscharte und anschließend über einen alpinen Grat zum aussichtsreichen Gipfel.
Ein großer Teil des Aufstiegs verläuft über Nordhänge und liegt bis zum späten Vormittag häufig im Schatten. An einem heißen, sonnigen Tag ist das durchaus von Vorteil. Im Frühjahr und Herbst sollte man jedoch die Schneelage stets im Blick behalten.
Tipp: Einen guten Hinweis auf die aktuellen Verhältnisse liefert manchmal Facebook. Über die Suchfunktion kann man nützliche Beiträge von Wanderern, die eventuell bereits kürzlich auf dem Gipfel waren und Fotos veröffentlicht haben finden.
- Technik, Kondition
- Maut und Parkplatz — Start der Tour
- Aufstieg zur Hans-Wödl-Hütte (GPX-Track zur Tour)
- Hüttensee und Aufstieg zum Obersee
- Obersee und Aufstieg zur Neualmscharte
- Gratwanderung über die Kleine Wildstelle
- Aufstieg zur Hochwildstelle
- Am Gipfel der Hochwildstelle
- Abstieg und Rückweg
- Sonnenexposition
Technik und Kondition
Die Tour ist technisch durchaus anspruchsvoll – insbesondere im letzten Abschnitt zwischen der Seewigscharte und dem Gipfel.
Dieser letzte Teil ist mit T5 bewertet. Zuerst wandert man längere Zeit entlang eines ausgesetzten Grats mit anspruchsvoller Orientierung bis zum abschließenden Gipfelaufstieg mit Felskletterei im ersten Schwierigkeitsgrad (UIAA I).
Vor allem am Grat muss man sehr konzentriert und vorsichtig unterwegs sein, da die nächste Markierung nicht immer sofort zu erkennen ist.
Trotz der günstigen geografischen Lage des Aufstiegs, darf man bei dieser Wanderung auch die konditionellen Anforderungen keinesfalls unterschätzen: Fast 1.700 Höhenmeter und 16 Kilometer sind insgesamt zu bewältigen.
Durch den technischen und vor allem konditionellen Anspruch wird die Tour daher offiziell als „schwer“ eingestuft.
Für den Aufstieg benötigte ich bei sehr zügigem Tempo ungefähr 3 Stunden und 20 Minuten. Der Abstieg über denselben Weg dauerte bei sehr schnellem Tempo rund 2 Stunden. Meine reine Gehzeit lag damit bei etwa 5 Stunden und 20 Minuten.
Als durchschnittliche Gesamtgehzeit im normalen Tempo sollte man jedoch ungefähr 8 bis 9 Stunden einplanen.
Maut und Parkplatz — Start der Tour
Ausgangspunkt der Tour ist der steirische Bodensee südlich von Aich.
Dort stehen auch zahlreiche Parkplätze zur Verfügung. Ist die Mautstelle bei der Auffahrt besetzt, wird zwischen dem 14. Mai und dem 1. November eine Mautgebühr erhoben.
Diese beträgt 4,20 Euro pro Erwachsenem und 1,90 Euro pro Kind. Mit der Schladming-Dachstein Sommercard ist die Zufahrt inkludiert.
Für den Parkplatz fallen keine zusätzlichen Kosten an.
Aufstieg zur Hans-Wödl-Hütte (GPX-Track zur Tour)

Zunächst geht man am Seewigtalstüberl und an einem Schranken vorbei.
Anschließend folgt man dem Weg einige Meter entlang des Seewigtalbachs bis zum Steirischen Bodensee.
Hier wechselt man sofort auf die rechte Seite beziehungsweise an das Westufer und folgt dem Weg zwischen dem Gasthof Forellenhof und dem Bodensee in südlicher Richtung.
Am Ende des Sees erreicht man schließlich die beschilderte Abzweigung zur Hans-Wödl-Hütte.
Nun geht es auf einem steilen Wanderweg im Schwierigkeitsgrad T2 weiter in südlicher Richtung bergauf.
Dabei kommt man am sehenswerten Bodensee-Wasserfall vorbei und erreicht schließlich die Hans-Wödl-Hütte.
Hüttensee und Aufstieg zum Obersee
Bei der Hans-Wödl-Hütte befindet sich eine wichtige Abzweigung.
Hier unbedingt dem Wegweiser in Richtung Hüttensee, Obersee und Hochwildstelle folgen, da der nach Südwesten führende Weg zum Höchstein führt.
Zunächst geht es auf T2-Niveau für kurze Zeit bergab, bis man den Hüttensee erreicht.
Anschließend folgt man dem Ufer bis zum Ende des Sees und überquert dort den Pfannseebach.
Nun wird der Weg wieder etwas steiler und führt am Schleierwasserfall vorbei zu einem weiteren, kleineren, aber beeindruckenden Wasserfall, der direkt aus dem Obersee gespeist wird.

Obersee und Aufstieg zur Neualmscharte
Anschließend führt der Weg am Ufer des idyllischen Obersees weiterhin recht gemütlich in einem leichten Auf und Ab entlang.
Kurz vor dem Ende des Sees wird er jedoch plötzlich sehr steil und geht in das T3-Gelände des Robert-Höfert-Steigs über.
Nun folgt ein längerer, sehr steiler, aber nur wenig ausgesetzter Aufstieg zur Neualmscharte.

Nach einiger Zeit erreicht man die Neualmscharte und folgt dem Wegweiser weiter in Richtung Hochwildstelle.
Nun folgt der technisch anspruchsvollere Teil der Tour.
Gratwanderung über die Kleine Wildstelle
Ab der Neualmscharte geht es auf T4-Niveau mit immer wiederkehrenden einfachen Kletterpassagen im I. Schwierigkeitsgrad über den Grat zur Kleinen Wildstelle und weiter zur Seewigscharte.
Spätestens ab der Seewigscharte, im letzten Abschnitt der Tour, geht der Weg in einen anspruchsvollen T5-Steig mit weiteren Kletterpassagen im I. Schwierigkeitsgrad über. Die eine oder andere Stelle kann möglicherweise sogar mit I+ bewertet werden.
ACHTUNG! Hier muss man besonders vorsichtig sein und sich genau an die Markierungen halten, da diese nicht immer sofort erkennbar sind.
Aufstieg zur Hochwildstelle
Ganz zum Schluss muss noch ein letzter steiler, felsdurchsetzter Aufstieg im Schwierigkeitsgrad I bis I+ bewältigt werden.
Am Gipfel der Hochwildstelle
Hat man auch das anspruchsvollere Gelände auf T5-Niveau gemeistert, erreicht man relativ rasch den Gipfel der Hochwildstelle.
Nun heißt es – ins Gipfelbuch eintragen (das auf diesem Gipfel Stand Anfang September 2026 vorhanden war), jausnen und bei guter Sicht weitere phänomenale Ausblicke genießen.
In meinem Fall war es während des Gipfelaufenthalts leider sehr neblig, was in dieser Höhe relativ rasch passieren kann. Trotzdem riss die Wolkendecke zeitweise auf und eröffnete ein atemberaubendes Panorama.






Abstieg und Rückweg
Abgestiegen bin ich über denselben markierten Weg, über den ich zuvor aufgestiegen war.
ACHTUNG! Vor allem beim Abstieg über den Grat muss man sehr vorsichtig sein, keine Markierung zu übersehen und sich nicht zu versteigen.
An ein oder zwei Stellen musste ich beim Rückweg sogar mehrmals genau kontrollieren und einige Meter zurückgehen, um die Markierungen wiederzufinden.
Sonnenexposition
Ein großer Teil der Route verläuft über nordseitig ausgerichtete Hänge und liegt besonders bei einem frühen Start lange im Schatten.
In meinem Fall erreichte mich die Sonne erst kurz vor der Neualmscharte.
Vor allem im letzten Abschnitt über den Grat bis zum Gipfel ist man der Sonneneinstrahlung stärker ausgesetzt.
Beim Abstieg kann die Sonne je nach Tageszeit allerdings auch die tiefer gelegenen Abschnitte erreichen.
Bist du bereits über die Hans-Wödl-Hütte auf die Hochwildstelle gewandert oder kennst du eine interessante alternative Route? Dann teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren.
Auch Hinweise zur aktuellen Wegbeschaffenheit sind jederzeit willkommen.
⚠ Achtung: Die beschriebene Tour beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen zum Zeitpunkt der Begehung. Bedingungen, Wegverhältnisse und Markierungen können sich jederzeit ändern. Auch der bereitgestellte GPX-Track dient lediglich zur Orientierung.
Die Tour sollte daher nur unternommen werden, wenn die eigenen technischen und konditionellen Fähigkeiten dafür ausreichen. Die Einschätzung der aktuellen Verhältnisse sowie die Entscheidung zur Begehung liegen in der eigenen Verantwortung. Selbstüberschätzung kann im alpinen Gelände schnell gefährlich werden.






















